„Es gibt viel mehr Möglichkeiten, diskriminiert zu werden.“

Persönliche Einblicke in die Diversity-Schulung

 

Wera Seedorff war Teilnehmerin der zweitägigen Grundlagenschulung des IQ-Projekts ikö-diversity. Interkulturalität und interkulturelle Öffnung stehen im Zentrum der interaktiven Fortbildung. Welche Erkenntnisse nimmt sie aus zwei Tagen Sensibilisierungstraining mit?

 

Wera Seedorff hat an der zweitägigen Diversity-Schulung teilgenommen und berichtet im Interview von ihren Eindrücken.
Wera Seedorff sieht ihre Teilnahme an der Diversity-Schulung als persönliche Bereichung.

Infos

Die aktuellen Termine und Inhalte der Diversity-Grundlagenschulung finden Sie hier.

 


Über das IQ-Projekt

Das IQ-Teilprojekt „ikö-diversity“ (Interkulturelle Öffnung und Diversity) unterstützt das Land Bremen, eine moderne, weltoffene Verwaltung zu entwickeln – mit öffentlichen Serviceangeboten für alle, die hier leben.

 


Kontakt

wisoak –
Wirtschafts- und Sozialakademie der Arbeitnehmerkammer Bremen gGmbH

Dr. Asmus Nitschke

E-Mail: a.nitschke@wisoak.de
Telefon: 0421/44 99 83 6

Bertha-von-Suttner-Str. 17
28207 Bremen

www.wisoak.de

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Wera Seedorff, warum ist das Thema Diversity für dich beruflich und privat relevant?

Beruflich habe ich seit circa 30 Jahren täglich mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun – seien es Kund*innen, Teilnehmer*innen, Auftraggeber*innen, Behörden sowie auch Kolleg*innen. Für meine Arbeit ist es wichtig, möglichst schnell einen Zugang zu meinen Gesprächspartner*innen zu bekommen, um gemeinsam zu Lösungen und Vereinbarungen zu gelangen. Aus diesem Grunde ist eine Auseinandersetzung mit dem Thema Vielfalt unerlässlich für mich.

Privat spielt Vielfalt ebenfalls eine große Rolle für mich – in meiner eigenen Familie kommen die Menschen beispielsweise aus unterschiedlichen Ländern. Ich empfinde das als Bereicherung, denn Interkulturalität erweitert unser aller Blickwinkel.

Welche Erkenntnisse hast du durch die Weiterbildung gewonnen?

Auf jeden Fall ist mir bewusst geworden, wieviel mehr Möglichkeiten es gibt, diskriminiert zu werden. An viele hatte ich bisher gar nicht gedacht: Im Seminar wurde uns zum Beispiel von einer Veranstaltung erzählt, bei der es nur Stühle mit Armlehnen gab. Es gab aber Teilnehmende, die nicht in diesen Stühlen Platz nehmen konnten.

Meine vielleicht wichtigste Erkenntnis: Mir ist klargeworden, dass ich selbst mit sehr wenigen Einschränkungen ausgestattet bin – das macht mich sehr dankbar.

Wird dein neuer, geschulter Blick künftig dein Handeln beeinflussen?

Dadurch, dass ich selber die meisten Dinge machen kann, fällt mir vielleicht manchmal nicht gleich auf, dass Dinge, die für mich selbstverständlich sind, für andere nur schwer erreichbar sind. Seit der Schulung versuche ich immer, ein oder zwei Schritte voraus zu denken.

Mir ist durch die Schulung noch einmal deutlich geworden, dass Menschen Mut brauchen, um nachzufragen. Deswegen wähle ich jetzt manchmal andere Worte.

Ich habe bei meiner Arbeit zum Beispiel angeregt, dass wir einen Handlauf bei unserer Treppe zum Eingang benötigen. Nicht alle Menschen können Treppen steigen, ohne sich dabei an einem Geländer festzuhalten.

Was hat dir an der Schulung besonders gut gefallen?

Ich war angetan von der Offenheit der Teilnehmenden und dem vertrauensvollen Umgang miteinander, obwohl sich die meisten von uns Teilnehmenden ja vorher nicht kannten – und von der Kompetenz der Dozenten! Sie waren überzeugend in ihrer Praxis, konnten ihr Wissen praktisch vermitteln. Sie waren mit Leidenschaft und Überzeugung dabei und absolut authentisch.

Würdest du die Schulung weiterempfehlen?

Unbedingt! Erweitertes Wissen zum Thema Diversity kann für den Abbau von Barrieren sorgen und Konflikte minimieren – sie vielleicht sogar vermeiden. Eventuell ist das eigene Bewusstsein über Diversity-Dimensionen für einige Menschen existenziell.

Die Schulung regt zum Denken an: Ein größeres Verständnis füreinander, für unsere Unterschiedlichkeit und ein größeres Bewusstsein für Einschränkungen, Hürden oder die Abwesenheit von Möglichkeiten, bringt uns sicherlich in unserer Gesellschaft näher zueinander.

Im besten Falle kann ich in Zukunft auch Teilnehmenden in unseren Aus- und Weiterbildungen behilflich sein, ein besseres Verständnis für ihre Mitmenschen zu entwickeln und auf diese Weise manchen Konflikt oder manche Hürde sowohl beruflich als auch privat zu vermeiden, beziehungsweise gut aufzulösen.